Verein zur Hilfe und Begleitung von Jugendlichen in Portugal

Intensivpädagogische Betreuung

Anliegen
Zielgruppe
Ziele
Betreuung
Jugendwohngemeinschaften
Einzelbetreuung
Betreutes Wohnen 

 

Anliegen

Jeder Mensch wird durch seine Umwelt beeinflusst. Viele Jugendliche, mit denen wir arbeiten, sind in ihrem Heimatland in ein soziales Netzwerk eingebettet, das für sie belastend und nicht förderlich ist. Laut der Milieutheorie von Klawe und Berner lernen diese Jugendlichen, in ihrer Umgebung zu "funktionieren". Sie eignen sich Verhaltensmuster an, mit denen sie in ihrer Umwelt bestehen können. Für die Jugendlichen aus problembelasteten Verhältnissen, deren Alltag bereits in frühester Kindheit durch Gewalt, Missbrauch in unterschiedlicher Form oder Beziehungsabbrüche geprägt ist, bedeutet das, sich Verhaltensweisen anzueignen, die die Gesellschaft als problematisch bezeichnet. Diese Jugendlichen zeigen in ihrem alltäglichen Leben oppositionelles, aufsässiges, dissoziales oder aggressives Verhalten. Sie ist es bei einigen Jugendlichen in bestimmten Konstellationen biographisch sinnvoll, sie aus diesem Kreislauf zu lösen und eine einschneidende zeitlich-räumliche Trennung und Distanz zu ihren Herkunftsmilieus herzustellen. (Berner/Gruhler, 1995, S. 27; Klawe, 2001, S. 63f) 

Zielgruppe

Aufnahmen in eine Auslandsmaßnahme sind besonders dann sinnvoll, wenn in Deutschland keine adäquate Hilfe vorstellbar ist und/oder eine geschlossene Unterbringung in Erwägung gezogen wird. Dem voraus geht meist eine krisenhafte Zuspitzung im Elternhaus oder die Tatsache, dass Jugendliche in offenen Jugendhilfe-Einrichtungen "nicht mehr zu halten" sind, weil sie "jegliche Mitarbeit verweigern", "ständig entweichen", "sich selbst und/oder andere gefährden" oder der "Schule fernbleiben". Oftmals sind es Jugendliche, bei denen es den Erwachsenen nicht mehr gelingt, ihnen Grenzen zu setzen, die keine Einsicht mehr in Konsequenzen für ihre Grenzüberschreitungen zeigen oder nicht mehr zu greifen sind, weil sie scheinbar machen was sie wollen, sich bei zweifelhaften "Freunden" aufhalten und Drogen oder Alkohol konsumieren. Diese Perspektivlosigkeit zu überwinden und eine sozial akzeptable Entwicklung für die Jugendlichen zu ermöglichen, ist die konzeptionelle und praktische Grundlage der intensivpädagogischen Maßnahme in Portugal.

Das Projekt ist ausgerichtet für Heranwachsende im Alter von 12 bis 18 Jahren, insbesondere:

  • mit Störungen in der Beziehungs- und Bindungsfähigkeit sowie anderen emotionalen und sozialen Bereichen
  • mit Persönlichkeitsentwicklungsstörungen
  • mit Missbrauchs- und Gewalterfahrungen
  • mit Anzeichen von Regellosigkeit und Verwahrlosung
  • aus Multi-Problem-Familien
  • aus konfliktgeladenen und gefährdenden Milieus
  • mit rechtsradikal-extremistischen Denk- und Verhaltensweisen
  • mit Schulaversion
  • als Auflage bei Aussetzung einer Jugendstrafe zur Bewährung
     

Ausschlusskriterien für eine Aufnahme sind Heranwachsende: 

  • mit akut bestehender alltagsbestimmender Suchtmittelabhängigkeit
  • mit einer geistigen Behinderung oder Mehrfachbehinderung
  • mit psychiatrischen Störungen, die in diesem Rahmen nicht aufgefangen werden können 

 

Ziele

Unsere Grobziele sind:

  • eine Verschlimmerung der Situation der/des Jugendlichen zu verhindern
  • Verbesserung der sozialen, physischen und psychischen Verfassung sowie
  • Erarbeitung einer allgemeinen Lebensperspektive

Anhand der Problemlagen der oben benannten Jugendlichen ergeben sich in der pädagogischen und therapeutischen Arbeit mit ihnen folgende Zielsetzungen:ziele

  • Stärkung und Steigerung des Selbstwertgefühls, Selbstvertrauens und Selbstbewusstseins
  • Entwicklung von Selbständigkeit im Denken, Lernen, Handeln und Arbeiten
  • Übernahme von Verantwortung für das eigene Leben
  • Förderung der Kommunikations- und Bindungsfähigkeit
  • Aufbau von tragfähigen Beziehungen (Vertrauen, sich aufeinander Verlassen, Abbau von Ängsten)
  • Förderung der sozialen Kompetenz
  • Aufarbeitung erlebter negativer Erfahrungen
  • Erschließung neuer Handlungsstrategien
  • Erlernen von Konfliktlösungsstrategien (Auseinandersetzen mit Krisen und Problemen)
  • konstruktiver Umgang mit Kritik und Lob
  • Wahrnehmung der eigenen Bedürfnisse, Gefühle und individuellen Grenzen
  • Erhöhen der Selbstkontrolle
  • Respekt und Toleranz gegenüber anderen Kulturen und Lebensweisen
  • Erlangen eines Schulabschlusses
  • Berufliche Orientierung

 

Betreuung

Grafik Intensivpädagogische Betreuung DT

 

Betreuungsphasen

Phase 0 – Die Vorbereitungsphase

Es ist notwendig, dass die Hilfe vorab mit allen mittel- und unmittelbar Beteiligten sorgfältig besprochen und vorbereitet wird.

Hierzu wird auf Anfrage des Jugendamtes bzw. auf Empfehlung einer angezeigten Betreuung im Ausland durch einen Träger, das Projekt, dessen Betreuungsinhalte und -möglichkeiten, die Aufnahmebedingungen etc. bei dem jeweiligen Jugendamt vorgestellt.

Wichtig ist, dass ein/e pädagogische/r MitarbeiterIn von dem jeweiligen Träger schon im Vorfeld manifestierte Verhaltenscharakteristiken des/der Heranwachsenden (Persönlichkeitsmerkmale, familiäre Herkunft, soziale Kontexte, biographische Besonderheiten usw.) erfährt. Anhand von bereits vorhandenen Akten und durch Gespräche mit Jugendamt sowie Herkunftssystem, macht sich der Träger mit Hintergründen der Problematik sowie mit dem Umfeld und Herkunftsmilieu des/der Jugendlichen vertraut. Auf dieser Grundlage wird eingeschätzt, ob die Art der Betreuung in Portugal für den/die Jugendliche/n geeignet ist.

Damit sich der/die Jugendliche innerlich auf die Maßnahme vorbereiten kann, wird dem jungen Menschen in der Regel von einem/r MitarbeiterIn des Trägers beim ersten Kennenlernen das Projekt anhand von Film- oder Bildmaterial vorgestellt.

Mit positiver Zustimmung des Jugendamtes, des Trägers und Progresso sowie des/der Jugendlichen und seiner Sorgeberechtigten werden in einem Gespräch mit allen Beteiligten erste Erziehungsziele erarbeitet und formuliert. Wichtige organisatorische Vorbereitungen (Impfungen, Medikamente, Versicherungen, Vollmachten der Personensorgeberechtigten, Stellungnahmen von einem Arzt und Psychologen, Ausschulung - Genehmigung über Aussetzung der Schulpflicht bzw. Verlagerung des Förderortes, Bedingungen der Rückführung auch bei vorzeitigem Abbruch etc.) werden besprochen.

Vor der Abreise nach Portugal muss die Unterbringung des/der Jugendlichen bei der portugiesischen Zentralbehörde beantragt werden.

Sind alle Anträge von Behörden genehmigt und alle Vorbereitungen getroffen worden, fliegt der/die Jugendliche i.d.R. zusammen mit einem/r ProjektmitarbeiterIn nach Portugal.

Phase 1 – Akzeptanz und Anerkennung von Autoritäten (Dauer min. 7 Wochen)

In Portugal beginnen die jungen Heranwachsenden mit der Phase 1, der Phase der „Akzeptanz und Anerkennung der Autoritäten“. Grundlegende Regeln und Strukturen im Umgang mit Erwachsenen sollen hier erlernt werden.

Zu Beginn der Jugendhilfemaßnahme befinden sich die Jugendlichen oft in einem Status der Regression in unterschiedliche frühere Kindheitsphasen wie Trotzalter, Vorschulalter usw. mit entsprechenden aggressiv-destruktiven oder hilflos bedürftigen Verhaltensweisen. Sie tendieren dazu, die Schuld für ihr Misslingen bzw. die Verantwortung für ihr eigenes Leben anderen zuzuschreiben, sind nicht in der Lage adäquate Konflikt- oder Problemlösungen zu finden, haben Probleme mit der Impulskontrolle, sind bindungs- und beziehungsgestört, können Autoritäten nicht an- und bestimmte Realitäten nicht erkennen oder leben in ungesunden Abhängigkeiten, Symbiosen usw.

Ziel in Phase 1 ist es, negative i.d.R. selbst- oder fremdschädigende-, verfestigte, routinemäßig praktizierte Handlungsmuster der jungen Menschen zu verändern. Dazu dient das durchstrukturierte Phasenmodell mit einer klaren Alltagsstruktur und einem zuverlässigen Beziehungsangebot durch die BetreuerInnen in einer stabilen Umgebung. [...] Mit Wertschätzung, Respekt, emotionaler Zuwendung und Achtung, aber auch klaren Forderungen und Grenzsetzungen helfen die BetreuerInnen den Heranwachsenden, diese Phase zum Erlernen und Entwickeln basaler Selbst- und Gruppenkompetenzen zu nutzen.

Heranwachsende mit den oben genannten Schwierigkeiten und Verhaltens- sowie Bindungsproblematiken haben in ihrer Kindheit und Autonomiephase wenig Schutz, Geborgenheit und/oder Grenzsetzungen erfahren und somit wichtige und lebensnotwendige Handlungsalternativen nicht erlernen können. Es ist daher wichtig und heilsam, diesen Prozess noch einmal in einem geschützten Rahmen und mit Hilfe von Fachpersonal zu durchlaufen. Aufgrund dessen werden in dieser Phase die Rechte und Möglichkeiten der Jugendlichen im Interesse ihrer weiteren Entwicklung zurück gesetzt. Vorrang hat hier das Prinzip zu erlernen, dass Erwachsene die Verantwortung übernehmen und dass sie Regeln zum Schutz der Einzelnen, aber auch der Gruppe, unumstößlich sind und konsequent eingehalten werden. [...]

Jugendliche, für die eine Auslandsmaßnahme angebracht ist, zeigen i.d.R. derart grenzüberschreitendes Verhalten, dass sie an einem normalen gesellschaftlichen Leben nicht mehr teilnehmen können. Es ist daher besonders wichtig, dass sie in Phase 1 klare Grenzen erfahren. Nach dem Prinzip "wir schätzen dich als Person, akzeptieren aber kein destruktives Verhalten" wird mit positiver Verstärkung bzw. mit Belohnungssystemen gearbeitet. Unerwünschtem Verhalten begegnen die BetreuerInnen mit Autorität und dem Entzug von bereits verfügbaren Verstärkern und/oder klaren Konsequenzen, die für die Heranwachsenden erkennbar und vorhersehbar sind. Dabei wird Autorität praktiziert im Sinne von Standhaftigkeit und Präsenz, als gelebte Konsequenz auf das Fehlverhalten in Verbindung mit einem konstruktiven Beziehungsangebot. In anschließenden Gesprächen werden die Situationen reflektiert und gemeinsam neue Handlungsstrategien entwickelt. Genauso kommen positive Verstärker und Belohnungen zum Einsatz.

Wöchentlich findet ein Gruppengespräch statt, in dem das Verhalten eines/r jeden Jugendlichen reflektiert wird. Dabei wird entschieden, ob die Jugendlichen in ihrem Phasenprogramm sowie in ihrer Entwicklung eine Woche weiter kommen, stehen bleiben oder sogar zurück gestuft werden. Berücksichtigt werden dabei die Eindrücke des/der Jugendlichen selbst, der anderen Gruppenmitglieder und der BetreuerInnen.

Die Jugendlichen sollen in Phase 1 ebenso lernen, in ihrem neuen Lernumfeld selbstbewusst mit ihren Gefühlen, Gedanken und Emotionen umzugehen, mit ihren BetreuerInnen über ihre Probleme zu reden und festzustellen, dass Schwierigkeiten auch ohne Alkohol, Drogen oder Gewalt zu lösen sind.

Selbstverantwortung ("Ich bin verantwortlich für mein Leben und das was ich tue") sowie eigene Entscheidungen zu treffen, sind Grundrichtlinien dieser Phase. Durch Erfahrungen wird den Jugendlichen vermittelt, dass auch andere Entscheidungen bezüglich ihres eigenen Verhaltens getroffen werden können (Selbstbestimmung – Identität – Kontrolle).

Ziel ist ebenfalls, den Jugendlichen bei der Erkenntnis zu helfen, dass ihr Verhalten und ihre Entscheidungen Konsequenzen haben, dass sie diese Konsequenzen jedoch kontrollieren bzw. beeinflussen können. Die Konsequenzen sind dabei auf das jeweilige Fehlverhalten ausgerichtet. Die Heranwachsenden sollen begreifen, dass sie ihren eigenen Anteil und die Verantwortung für ihr Verhalten tragen, auf das Sanktionen oder Belohnungen folgen können. Wichtig ist uns dabei, dem jungen Heranwachsenden zu vermitteln, dass wir das Verhalten kritisieren bzw. sanktionieren, sie/ihn selbst als Person jedoch nicht ablehnen.

Das Ziel von Phase 1 ist erreicht, wenn die Jugendlichen durch klare Grenzsetzungen selbst erkennen und lernen, sich an die vermittelten Regeln und Strukturen des Gruppenlebens zu halten. Sollte ein Jugendlicher in diesem Zeitraum nicht bereit sein, seine aggressiven Verhaltensmuster gegenüber anderen Menschen im allgemeinen, hier den BetreuerInnen und den anderen Gruppenmitgliedern zu verändern, behält sich Progresso vor, den/die Jugendliche/n zurückzuschicken.

In Phase 1 gibt es keine Beschulung. Der Schulbesuch erfolgt als Privileg nach einem erfolgreichen Abschluss der ersten Phase.

Phase 2 – Festigung der erlernten Struktur (Dauer min. 16 Wochen)

Diese Phase soll die Jugendlichen dazu befähigen, die bereits erlernten Verhaltensmuster in einer kontrollierten Umgebung in ihrem täglichen Leben anzuwenden und zu festigen und dabei ihre eigene Identität zu finden und zu leben. Die Jugendlichen brauchen hierbei viel Zeit, bereits erlernte Verhaltensmuster der Phase 1 zu verinnerlichen und alte abzulegen.

Die jungen Menschen erhalten in dieser Phase verstärkt Einsicht in ihr eigenes Verhalten, indem sie vom Betreuerpersonal stetig mit Fragen konfrontiert werden wie z.B.: "Was war dein Eigenanteil an diesem Geschehen? Was hättest du anders machen können?" etc..

Der Fokus liegt darauf, dass sich die Jugendlichen zunehmend stärker ihrer Gedanken und Gefühle und ihres eigenen Verhalten bewusst werden. Die psychologische und therapeutische Unterstützung, die ab Phase 2 möglich ist, soll helfen Heranwachsenden in diesem Prozess zu begleiten und zu stärken, Konflikte im Alltag aufzuarbeiten, Ängste abzubauen, das Selbstwertgefühl zu stärken oder auch die Erlebnisse und Gefühle aus der Vergangenheit zu verarbeiten.

In dieser Phase können sich die Heranwachsenden ihre Privilegien Stück für Stück zurück verdienen. Sie dürfen von Beginn der Phase 2 z.B. die Schule besuchen, können mit ihrer Herkunftsfamilie telefonieren, Besuche erhalten, etc.. [...]

In Phase 2 können die Jugendlichen mehr selbst be- und mitbestimmen, erlangen dadurch mehr Selbständigkeit und beginnen ihre Autonomie zu festigen.

Das Ende der Phase 2 ist erreicht, wenn der/die Jugendliche die BetreuerInnen davon überzeugen konnte, dass neu erlernte Verhaltensweisen weitgehend stabil sind.

Phase 3 – Vertrauen (Einzelbetreuung / Verselbständigung) (Dauer min. 16 Wochen)

In dieser Phase soll der/die Jugendliche schrittweise erlernen, die Verantwortung für sich selbst und seine Umwelt zu übernehmen.

Die Jugendlichen sollen lernen, dass ihr Verhalten, ihre Gedanken und die eigenen Gefühle ein Teil von ihnen selbst sind. Es ist nicht nur die Phase des Vertrauens, sondern auch die Phase von Entscheidungen ("Kann ich mich von meinen alten verhaltensweisen selbständig distanzieren und die neu erlernten Verhaltensweisen anwenden?"). Auch in dieser Phase werden die Jugendlichen direkt mit ihrem eigenen Verhalten, ihren gemachten Erfahrungen und getroffenen Entscheidungen konfrontiert.

Kommt ein/e Jugendliche/r in Phase 3, kann die Maßnahme entweder im bisherigen Projektstandort, in der Verselbständigung oder als individuelle Einzelbetreuung weiter gehen.

Phase 4 – Verabschiedung / Vorbereitung auf die Rückkehr (Dauer ca. 4 Wochen)

Der/Die Jugendliche im Betreuten Wohnen trifft in dieser Phase die letzten Vorbereitungen für seine/ihre Rückkehr.

Die Rückkehr wird in Kooperation mit dem Träger, in Abstimmung mit Jugendamt, Familie und ggfs. Vormund oder Pflegschaft eingeleitet und durchgeführt. Der Träger wirkt mit bei der Überleitung und der Gestaltung der Anschlusssituation im Heimatland.

Ziel ist es, dass dem/der Jugendlichen ein fließender Übergang zwischen dem Leben in Portugal und seiner Wiedereingliederung im Heimatland ermöglicht wird. Der/Die Jugendliche soll sich an diesem Prozess aktiv beteiligen, so dass er/sie zuversichtlich in ein neues Leben zurückkehren kann. Während der Phase der konkreten Organisation und Vorbereitung auf die Rückkehr ins Heimatland befindet sich der/die Jugendliche in einem mental-emotionalen Ablösungsprozess, welcher von ihm/ihr als positiv empfunden werden soll.

Daher ist es wichtig dafür zu sorgen, dass die bei uns verbrachte Zeit als Ganzes gemeinsam mit allen Beteiligten reflektiert und abgeschlossen wird und gleichzeitig die neue Phase seines Lebens vom jungen Menschen als „geöffnete Tür“ in einem anderen Rahmen von Möglichkeiten wahrgenommen wird.

 

Jugendwohngemeinschaften

Die Intensivpädagogische Jugendwohngemeinschaft „Fronteiras“ (7 Plätze)

Fronteiras Die Farm Fronteiras umfasst ca. 14 Hektar und befindet sich in einer hügeligen Landschaft im Alentejo im Süden von Portugal. In sieben Kilometer Entfernung liegt ein kleines Dorf mit ca. 450 Einwohnern, die Kreisstadt Almodôvar mit ca. 3000 Einwohnern ist 18 km entfernt.

Auf der Farm befindet sich ein 160 m² großes Wohnhaus aus Holz, welches über ein großes Wohnzimmer mit Wintergarten, eine große Essküche, eine Vorratskammer, ein Bad, vier Einzelzimmer und eine Terrasse verfügt. Ebenfalls befinden sich auf dem Grundstück sieben kleine Holzhäuser, ein Wäschehaus, ein Werkzeughaus, ein Hindernisparkour, ein Sport- und Fußballfeld, ein Hühner-, Gänse- und Entengehege, ein Ziegenstall sowie zwei Seen. Fließendes Wasser sowie Fronteiras 2Elektrizität und Heizung sind vorhanden.

Das nahe gelegene Dorf Gomes Aires besitzt zwei Cafés, eine Bäckerei, ein Gemeindeverwaltungs- und Kulturzentrum, eine Kirche, einen Fußballplatz, einen Kindergarten, einen Grillplatz mit Tischen und einen alten Brunnen mit Waschstellen.

Das Leben der Einheimischen ist sehr einfach strukturiert. Die Art, von Tag zu Tag zu leben ist hier wesentlich gelassener. Man könnte fast denken, die Zeit sei hier stehen geblieben. Die Bauern der umliegenden Farmen leben fast ausschließlich von Agrikultur, Tierzucht oder dem Verkauf bzw. Tausch von selbst hergestellten Lebensmitteln wie z. B. Schafs- und Ziegenkäse, Wurst oder Honig. Im Dorf selbst sind Berufe wie Mechaniker, Maler, Maurer, Schäfer, Bäcker, Bauer oder Tischler vertreten.

Die Intensivpädagogische Jugendwohngemeinschaft „Quinta do Cerro“ (5 Plätze)

quinta1Die Farm „Quinta do Cerro“ umfasst ca. 87 Hektar und befindet sich in ländlich ruhiger Lage in den Bergen des Alentejo. In einer Entfernung von fünf Kilometern liegt das Dorf Santa Cruz als nächstgelegene Gemeinde. Die Kreisstadt Almodôvar mit ca. 3000 Einwohnern ist 20 km weit entfernt.

quinta2Die Zufahrt zur Farm führt über einen Feldweg am Fluss „Vascão“ vorbei, der abschnittsweise die Grenze zwischen der Algarve und dem Alentejo bildet. Die Wasserversorgung für Dusche, Toilette, Trinkwasser, Küche usw. erfolgt über eigene Brunnen. Fließendes Wasser ist vorhanden. Der Strom wird mit Solarpaneelen und einem dieselbetriebenen Strom-aggregat selbst produziert.

quinta3Auf der Quinta do Cerro befindet sich das Wohnhaus, welches über ein großes Wohnzimmer mit Wintergarten, eine große Essküche, ein Bad, fünf Einzelzimmer, ein Betreuerzimmer / Büro und eine Terrasse verfügt. Ebenfalls befinden sich auf dem Grundstück zwei kleine Wohnholzhäuser, zwei Wohnbungalows, eine Werkstatt, Arbeitsräume, Pferdeställe und -koppel, ein Hühnerstall, eine Picknickstelle direkt am Fluss sowie ein kleiner selbst angelegter Teich direkt am Haus. Ein Obst- und Gemüsegarten bietet die Möglichkeit der teilweisen Selbstversorgung und bewussten Ernährung.

Der Fluss Vascão, der an das Land angrenzt, bietet u. a. Möglichkeiten zum Baden, Angeln oder zu Flussfahrten mit selbstgebauten Flößen. Das nahe gelegene Dorf „Santa Cruz“ hat ca. 100 Einwohner und besitzt ein Café, ein Gemeindeverwaltungs- und Kulturzentrum, zwei Kirchen (eine Kirche ist aus dem 16. Jahrhundert), einen Grillplatz mit Tischen und einen alten Brunnen mit Waschstellen. Der Platz vor dem Café ist der Mittelpunkt des Dorfes, auf dem sich die Bewohner täglich treffen.

Die Intensivpädagogische Jugendwohngemeinschaft „Nova Sembla“ (5 Plätze)

SemblanaDas Land “Nova Sembla” umfasst ca. 1 Hektar und befindet sich in einem idyllisch gelegenen Tal im südlichen Alentejo von Portugal. In 2 km Entfernung befindet sich das Bergwerksdorf Semblana. Die Kreisstadt Almodôvar mit ca. 3000 Einwohnern ist 12 km weit entfernt.

An der Grundstücksgrenze fließt ein kleiner Bach entlang, der das Land mit ausreichendem Wasser versorgt und Möglichkeiten zur Abkühlung bietet. Das Land ist reich an Oliven-, Orangen-, Mandarinen, Nektarinen-, Granatapfel- und Mispelbäumen. Ebenso befinden sich auf dem Grundstück sechs Brunnen, ein altes Gartenhaus, fünf kleine Holzwohnhäuser für die Jugendlichen, zwei Holzwohnhäuser für die BetreuerInnen, zwei Toiletten- und Duschhäuser, ein Holzhaus mit einer Küche und ein großes Holzhaus, welches als Wohn- und Gemeinschaftsraum genutzt wird. Fließendes Wasser sowie Elektrizität und Heinzung sind vorhanden.

Das nächste gelegene Dorf Semblana hat ca. 300 Einwohner und besitzt eine alte Bäckerei, zwei kleine Minimärkte, zwei Cafés/Restaurants, einen Bankautomaten, ein Gemeindeverwaltungs- und Kulturzentrum, ein Gesundheitszentrum, eine alte Kirche und öffentliche Toiletten und Duschen. Die Einwohner leben fast ausschließlich von Agrikultur, Honigherstellung und von der Arbeit im nahe gelegenen Kupferbergwerk „Neves Corvo“.

 

Einzelbetreuung

Individualpädagogische Einzelbetreuung, z.B. in einer Familie, ist für jüngere Jugendliche angedacht, für die ein Gruppenprojekt langfristig weniger geeignet ist bzw. für Jugendliche unter 16 Jahren, die Phase 1 und 2 erfolgreich abgeschlossen haben und noch nicht für eine betreute Wohnform in Frage kommen sowie deren Rückkehr in die eigene Familie im Heimatland ausgeschlossen ist.

Progresso arbeitet mit verschiedenen Betreuerfamilien in ländlich ruhigen Gebieten an der Algarve und im Alentejo zusammen. Der/Die Jugendliche lebt hier mit ihren/seinen BetreuerInnen, zum Teil auch deren Kindern, in einem gemeinsamen Haushalt.

In angstfreier Atmosphäre erhält der/die Jugendliche ein stabiles Beziehungsangebot sowie einen klar strukturierten Alltag. Gemeinsam werden alle anfallenden Aufgaben erledigt, z.B. Gestaltung und Umgestaltung des Hauses bzw. anfallende landwirtschaftliche Arbeiten.

Ähnlich wie in der Jugendwohngemeinschaft werden die Jugendlichen entweder über ein Fernschulprogram beschult oder gehen vor Ort in die internationale bzw. deutsche Schule, so dass sie nach der Rückkehr ins Heimatland wieder übergangslos die Schule weiter besuchen können. 

 

Verselbständigung

Das Angebot des Betreuten Wohnens richtet sich an Jugendliche, die im Rahmen der Erziehung in den intensivpädagogischen Jugendwohngemeinschaften einen Reifegrad erreicht haben, der zur weiteren Verselbständigung und Persönlichkeitsentwicklung den Wechsel in ein selbständigeres Leben als sinnvoll erscheinen lässt.

Ziel ist, dass die jungen Menschen am Ende der Maßnahme ein eigenständiges Leben führen können.

Die Verselbständigung erfolgt in zwei Schritten; anfangs in einer Wohngemeinschaft mit anderen Jugendlichen (Übergangshaus), anschließend in einer eigenen Wohnung; beide Formen jeweils mit einem individuellen Betreuungsschlüssel.

Die Mitarbeiter des Teams unterstützen die jungen Erwachsenen auf dem Weg zur größtmöglichen Selbständigkeit durch ein gemeinsam individuell erarbeiteten Ziel- und Zeitplan. So sollen die Jugendlichen schrittweise ihren Alltag selbst bewältigen bzw. selbst gestalten. Wenn ein/e Jugendliche/r in der Phase 2 noch keinen Schulabschluss erworben hat, ist dies in Phase 3 immer noch möglich. Wenn Schule keine Option mehr darstellt oder bereits ein Schulabschluss erworben wurde, muss der/die Jugendliche eine Lehr- oder Arbeitsstelle suchen und sich bewerben. Bestimmte „Arbeitsweltstrukturen“müssen dabei jedoch eingehalten werden (selbstständiges Aufstehen, rechtzeitig an der Arbeitsstelle erscheinen, usw.). Indem der/die Jugendliche über ein eigenes Budget verfügt, übernimmt er/sie schrittweise mehr Verantwortung, z.B. den Einkauf, den eigenen Haushalt, Miete, Strom, Wasser oder Versicherung zu zahlen. Ebenso ist es die Aufgabe des Jugendlichen eigene Hobbies zu finden, um individuell seine Freizeit zu gestalten und zu organisieren.

Die allgemeinen Grobziele des Betreuten Wohnens sind:

  • die Befähigung der Jugendlichen zu einer selbständigen Lebensführung, Ressourcen entdecken und fördern
  • die Bewältigung des Alltags in Form von Haushaltsplanung und Einhaltung der Tagesstruktur
  • Erlernen lebenspraktischer Tätigkeiten (Behördengänge, etc.)
  • Bewältigung von Krisen und Konflikten durch Erlangung bzw. den weiteren Aufbau von sozialen Kompetenzen (Konfliktlösungstrategien, Konfliktfähigkeit, Beziehungsfähigkeit, usw.)
  • Entwicklung einer eigenständigen Persönlichkeit sowie eigenständigen und verantwortlichen Handelns
  • Selbstwirksamkeit erfahren und lernen
  • Lernen alleine zu sein
  • Weiterentwicklung der Körperwahrnehmung (Hygiene, Gesundheit, gesunde Ernährung)
  • Budgetverwaltung
  • Regelung der Beziehung der Herkunftsfamilie (Ablösung/Kontaktpflege und -aufbau)
  • Gestaltung von Lebens- und Zukunftsperspektiven (Wahl einer Ausbildung, Absolvieren von Praktika, schreiben von Bewerbungen, etc.)
  • Sinnvolle Freizeitgestaltung

 


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